Erkenntnisse aus dem Verbundprojekt „Ge-Na-Log“ / Von Martin Stockmann

Dortmund. Rewe, Doego, Tedi, das Frauenhofer IML und weitere Partner suchen weiter nach Wegen, die innerstädtische Belieferung zu entzerren. Die geräuscharme Warenzustellung in der Nacht ist Forschungsgegenstand ihres gemeinsamen Projektes Ge-Na-Log.

Die Warenanlieferung in den Innenstädten sind seit jeher ein Problem sowohl für Anwohner wie auch für Berufspendler. Es stellt sich damit die Frage, wie Verkehre effizienter, umweltfreundlicher und Anwohnerverträglicher abgewickelt werden können. Mit der Beantwortung dieser Fragestellung beschäftigt sich das Verbundkonsortium „Ge-Na-Log“ (Geräuscharme Nachtlogistik). Dabei sollen neue innovative Konzepte und Geschäftsmodelle für eine geräusch- und emissionsarme Belieferung der Innenstädte entwickelt werden.

Dem Einsatz von Elektrolastwagen und Fahrzeugen mit alternativen Antrieben wird dabei besondere Aufmerksamkeit zuteil, wodurch wiederum die bestehenden Distributionslogistikkonzepte verändert und erweitert werden können.

Die dabei entwickelten Konzepte sollen von den am Projekt beteiligten Unternehmen Rewe Group, der Rewe-Dortmund-Tochter Doego und der Tedi Logistik GmbH direkt innerbetrieblich angewendet und genutzt werden. Begleitet wird dieses Projekt vom Frauenhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund, und dem Frauenhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Karlsruhe. Darüber hinaus unterstützen die Städte Karlsruhe und Köln sowie die Wirtschaftsförderung Dortmund das Projekt.

Seit Projektbeginn im Januar 2014 hat sich einiges getan. Es wurden Anforderungen an technische und organisatorische Gestaltungsfelder definiert sowie das Umfeld und die Interessengruppen betrachtet, auf die sich die geräuscharme Nachtlogistik unmittelbar auswirkt.
Bei den damit verbundenen Gesprächen mit Vertretern der Städte Köln und Dortmund, hat sich herausgestellt, dass die Akzeptanz der Bürger und Anwohner sowie die in Deutschland geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen wesentlich kritischere Erfolgsfaktoren darstellen als ursprüngliche angenommen wurde.
Dadurch sind die frühzeitige Informationsbereitstellung sowie Beteiligungen der Bürger unter Einbeziehung der in den Städten zuständigen Ämter sowohl geplant wie auch unabdingbar. Was sich allerdings auch sofort abzeichnete war, dass die Städte weiterhin mit sehr großem Interesse und Engagement bereit sind, sich an dem Forschungsthema zu beteiligen. Außerdem wurden Experten des niederländischen PIEK-Programms hinzugezogen, um Erfahrungen bezüglich technologischer und soziologischer Einflüsse auszutauschen. In einem nächsten Schritt wurden die Prozesse entlang der Lieferkette, vom Lager über den Transport bis hin zur Filiale, betrachtet.

In enger Zusammenarbeit mit den Handelsunternehmen wurden in mehrtägigen Workshops die Prozessketten aufgenommen und besonders in Hinblick auf Geräusch- und andere Störquellen, wie etwa Lichtemissionen, hin untersucht. Dabei wurde deutlich, dass das reine Fahrgeräusch vom Lieferfahrzeug nur eines von vielen Problemen ist. Die eigentliche Herausforderung sind lärmemittierenden Arbeitsschritte wie zum Beispiel das Entladen eines Rollcontainers.

Im Projekt werden derzeit Maßnahmen recherchiert, die den ausgemachten Lärmquellen entgegenwirken sollen. Dazu zählen geräuscharme Rollcontainer oder dämpfende Materialien im und um das Lieferfahrzeug herum.

Aus den spezifischen Merkmalen der einzelnen Lieferketten wurden eine möglichst allgemeingültige Prozesskette definiert, damit weitere Dienstleister auf einfache und übersichtliche Art und Weise ihre Lieferkette diesbezüglich überprüfen und bewerten können. Damit soll eine allgemeine Übertragbarkeit der Ergebnisse sichergestellt werden. Weiterhin werden diese Ergebnisse als Grundlage für die Erstellung eines Anforderungskataloges dienen.

Durch die beschriebenen Vorarbeiten, wurde eine Vorlage zur Filialanalyse entwickelt: Aktuell wird die Filialanalyse durch die Praxispartner für ausgewählte Märkte durchgefühlt. Bei der Filialanalyse werden Fragen zur Gebietsausweisung und Anwohnersituation, zu Eigentumsverhältnissen, Sonderregelungen, Zufahrtsbeschränkungen und Ladehilfsmitteln, oder auch zur Beschaffung der Bodenbeläge beantwortet.

Ziel ist es zum einen, geeignete Filialen als Kandidaten für die anstehenden Praxistests beziehungsweise für den Pilotversuch zu ermitteln und zum anderen, alle relevanten Komponenten einer Verkaufsstelle zu identifizieren, die für eine geräuscharme Nachtbelieferung umgerüstet werden müssen. Weitere Informationen rund um die geräuscharme Nachtlogistik gibt es unter http://www.genalog.de .

Martin Stockmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter, Handelslogistik, am Frauenhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund>

Stille Logistik in der Nacht: Erkenntnisse aus dem Verbundprojekt „Ge-Na-Log“. In: Lebensmittel-Zeitung (17.09.2014), Nr. 42, S.52

 

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